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Archive for the ‘Vintage’ Category

Vor dieser Strickleistung erstarre ich in Ehrfurcht..

Ein Vorteil des Handarbeitens ist, dass man unabhängig von der aktuellen Mode beliebig in Modestilen vergangener Epochen wildern kann.

Das Nachstricken (oder auch nur Angucken) älterer Strickmuster hat für mich auch insofern einen ganz besonderen Reiz, als in vergangenen Jahrzehnten oft noch viel aufwändigere Muster und Schnitte verwendet wurden. Das Durchblättern entsprechender Anleitungen bringt mir also oft schon aufgrund der Faszination für elaborierte Stricktechniken und Kunstfertigkeit Vergnügen.

Wer gerne Kleidungsstücke im Stil früherer Jahrzehnte anfertigen (oder visuell konsumieren) will, kann dies auf vielfältige Weise tun:

1. Das Arbeiten mit originalen Anleitungen

Alte Strickhefte oder Handarbeitsbücher bekommt man in  Antiquariaten, auf Flohmärkten oder bei Ebay. Oft haben auch öffentliche Bibliotheken ältere Strickbücher in ihrem Bestand. Manchmal lohnt es sich auch, Verwandte nach verstaubten Schätzen zu fragen.

Auswahl von Strickzeitschriften 1950-1970

Auswahl von Strickzeitschriften 1950-1970

Ich habe so z.B. den Klassiker von Ruth Zechnlin „Werkbuch für Mädchen“ in die Finger bekommen. Meine 18. Auflage von 1954 hat im Anhang eine Stilkunde, die als historisches Dokument hochinteressant ist und schon allein deswegen die Lektüre lohnt.  Auch auf ravelry findet man mit dem Suchwort „vintage“ einige eingescannte alte Strickanleitungen. Ansonsten hält das Netz einige webseiten parat, auf dem man entsprechende Anleitungen herunterladen kann. Einige Seiten, die ich ganz interessant finde, sind die Folgenden:

http://www.vintagepurls.co.nz

http://trove.nla.gov.au/

http://www.freevintageknitting.com/women.html

http://knitting-and.com/knitting/patterns-clothing.htm

Interessanterweise sind die älteren Anleitungen im Vergleich zu heutigen Strickanleitungen relativ spärlich und jenseits des generellen Schnittmusters und Angaben zum Muster bleibt es der Nachstrickerin  überlassen, die notwenigen Arbeitsschritte wie Zunahmen etc. selbst auszurechenen. Vermutlich lag das auch daran, dass Frauen in viel selbstverständlicherem Maße über profunde Handarbeitskenntnisse verfügten.

Strickzeitschriften 1930-1960

Strickzeitschriften 1930-1960

Bei der Lektüre dieser Hefte wird einem auch sofort deutlich, wie sehr sich das Image und die Funktion von Stricken verändert hat. Da geht es nicht um Stricken als Freizeit- und Wellnesstätigkeit, nirgendwo ist die Rede von Meditiation, Stressreduktion und kein einziger Yogavergleich ist zu finden. Auch der kreative Aspekt, das Schwelgen in Garnen und Farben, die Selbstentfaltung im (künstlerischen) Schaffensprozess werden nicht thematisiert – wie das Stricken überhaupt eher Haushaltstätigkeit als Design oder künstlerisches Ausdrucksmittel ist.

Das Stricken erscheint vielmehr als eine zentrale Tätigkeit, ja Verpflichtung von Hausfrauen, die sich so um die Garderobe der ganzen Familie zu kümmern hatten. Da wurde nicht der Kleiderschrank, gefüllt mit Klamotten diverser großer Ketten, durch einen großzügig verschenkten Lieblingspulli ergänzt, sondern ganz fundamental mit dem Stricken von Socken über Unterwäsche bis hin zu Pullovern und Strickjacken Jahr für Jahr an der Grundausstattung gearbeitet. Zudem ermöglichte das Handarbeiten Frauen, luxuriöse Stücke (kostengünstig) selbst anzufertigen, wie das Spitzenstrickkleid im Foto rechts oben.

2. Aktuelle Strickbücher mit Vintage-SchnittenA Stitch in a Time - I

Wer entweder auf den Komfort ausführlicher Anleitungen nicht verzichten will oder aber nicht so puristisch ist und eher Kleidungsstücke „im Stil“ frühere Mode sucht, als Originalstücke, die so richtig gut nur mit dem notwendigen Equipment wie Tüten-BHs, Korsagen usw. wirken, für den gibt es auch neuere Strickbücher, die ältere Schnitteaufbereiten und für neue Garne umarbeiten, adaptieren oder nachempfinden. Denn schließlich ist auch der Retro-Stil längst Teil der Mode und nicht deren Verweigerung und hat damit auch die entsprechenden Effekte auf den (Strick-)Buchmarkt.

Aus der Fülle der Angebote hier nur eine sehr willkürliche Auswahl: A Stitch in a Time Bd. 1 und 2; Vintage Knits aus der Reihe (Vogue Knitting on the go); Vogue Knitting. Vintage Collection.

3. Vintage-Mode selbst entwerfenomas strickgeheimnisse

Man kann sich natürlich auch in alten Modezeitschriften oder illustrierten Geschichten der Mode inspirieren lassen, und sich seine Vintagemode selbst entwerfen. Unterstützung findet man dafür z.B. bei Sammlungen alter Strickmuster wie z.B. Omas Strickgeheimnisse, Bäuerliches Stricken 1-3 und Barbara Walker: A Treasury of Knitting Patterns (mehrer Bände).

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Jane Waller und Susan Crawford : A Stitch in a Time: Vintage Knitting und Crochet Patterns 1920-1949, Bd. 1, Southport 2008.

Wertung: +++++A Stitch in a Time - I

Das Buch versammelt 60 Strick- und Häkelmustermuster, ausschließlich für Frauen, die zwischen 1920 und 1949 in britischen Frauenzeitschriften erschienen sind. Strickmuster überwiegen deutlich gegenüber Häkelmustern. Die Muster sind für moderne Garne adaptiert worden, ansonsten aber unverändert. Das Buch ist zeitlich geordnet, wobei sich die einzelnen Kapitel an den Zäsuren in der Modeentwicklung orientieren. Jedem Kapitel vorangestellt ist eine einseitige Zusammenfassung der wichtigsten Merkmale der Mode in dem behandelten Zeitabschnitt. Dann folgenden die Strick- und Häkelmuster – zunächst die gescannten Originale aus den jeweiligen Zeitschriften und dann die modernisierten Versionen. Diese sind mit schönen Fotos illustriert, die ebenfalls eine „Vintageatmosphäre“ schaffen. Die Frauen tragen stilechte Frisuren und die obligatorischen knallroten Lippen. Bei den Strickstücken dominieren vor allem Oberteile, es gibt aber auch einige Accessoires und gestrickte Unterwäsche bzw. Badeanzüge. Da es sich um Original Vintagemuster handelt, sind die Kleidungsstücke alle in kleine Nadelstärken gestrickt.

Totally  their own: Ist in diesem Fall die Zusammenstellung und ansprechende Aufmachung der Sammlung

Fazit: Es handelt sich um ein schön gemachtes Buch, das optisch einiges bietet. Wer die Muße findet, die aufwändigen und zeitintensiven Modelle nachzustricken, erhält ausgefallene und beeindruckende Vintage-Prachtstücke. Das Buch eignet sich aber auch als Inspirationsquelle für eigene Entwürfe, insbesondere, da es viele Hintergrundinformation zur Modegeschichte liefert. Nicht zuletzt macht es auch einfach Spaß, A Stitch in a time durchzublättern, sich die tollen Fotos anzugucken und in den Mustern und Farben zu schwelgen. Die Strickanleitungen sind aufgrund der komplizierten Muster und wenigen Erklärungen eher für erfahrene Strickerinnen geieignet.

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Vogue Knitting: Vintage Knits, New York 2000 (Vogue Knitting on the go), S. 88.

Wertung: ++oooVintage Knits

Bei dieser Sammlung von Vintagemustern handelt es sich um ein Büchlein aus der Reihe „Vogue Knitting on the go“. Es versammelt Muster,  bei denen unklar bleibt, ob es sich um Originale oder nachempfundene Antleitungen handelt, ich vermute aber mal Letzteres.

Dem Buch vorangestellt sind – wie in jedem on the go Band – Hinweise zu allen für die folgenden Muster benötigten Techniken (allerdings keine Anleitungen verschiedener Maschenarten, z. B. Zunahmen, abgehobene Maschen etc.). Dann folgen 21 Anleitungen die von so altmodischen Kleidungsstücken wie Bettjacken über Hausschuhe und Golfhandschuhe bis zu einer Lace Stola reichen. Der Schwerpunkt liegt auf Frauen- und Babykleidung. Insbesondere unter letztere sind einige echte Prachstücke wie die Baby „Bunny Slippers“ oder ein zartgrünes Ensemble aus „Saque, Cap & Booties“. Den Anleitungen (z.T. mit Schnittzeichnungen) vorangestellt sind jeweils Angaben, an welche Epoche das Muster angelehnt ist. Für jedes Muster ist ein Schwierigkeitsgrad zwischen „Very Easy Very Vogue“ und „For Experienced Knitters“ angegeben.  Die illustrierenden Fotos zeigen die Stücke nicht an Modellen sonder flach liegend.

Totally their own: Am originellsten vom Schnitt erscheinten mir die Plaid Slippers und die Hasenschühchen.

Fazit: Eine nette kleine Sammlung für den eher schmalen Geldbeutel, die ich vor allem Menschen empfehle, die Vintagestücke für Kinder suchen. Durch die ausführlichen Anweisungen am Anfang ist es auch für Anfängerinnen geeignet, wenn sie die angegebenen Maschenarten ausführen können (oder wissen wo sie sonst nach ausführlichen Anleitungen dazu suchen sollen).

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