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Archive for März 2014

Wenn die letzte Masche abgekettet ist, folgen für die professionelle Fertigstellung eines Strickstücks noch einige weitere nicht unwesentliche Schritte, sozusagen die Postproduction. Dazu gehören das Vernähen der Fäden und gegebenenfalls das Zusammennähen der einzelnen Teile und davor das Blocken bzw. Spannen. Ich habe diesen (Zwischen-)Schritt lange übergangen und bin erst durch die stetigen Ermahnungen englischsprachiger Anleitungen „to block to finish measurements“, „block to open lace pattern“ oder „to block as desired“ darauf gekommen, dass es nach dem Abketten (und vor dem Zusammennähen) noch etwas zu tun geben könnte.

Auch in deutschen Anleitungen findet man diesen Schritt in gelegentlich z.B. in der Aufforderung „die Strickteile in Form spannen“ oder auch „spannen und dämpfen“. Allerdings ist der Begriff in meinen Augen irreführend, denn im Normalfall sollte man das Gestrick gerade nicht spannen, d.h. unter Spannung setzen, da es sonst seine Elastizität verliert. (Ich spreche daher im Folgendne von „blocken“ und benutze spannen nur dann, wenn tatsächlich gespannt werden soll.)

Was im Englischen mit „to block“ und im Deutschen mit Spannen bezeichnet wird, ist ein einfacher aber wirkungsvoller Vorgang, der nicht nur Gelegenheit bietet, die Elastizität der Wolle dazu zu nutzen, einzelne Schnitteile exakt in die Maße des vorgegebenen Schnitts zu bringen, sondern auch, das Maschenbild gleichmäßiger zu machen. Dazu steckt man die einzelnen Schnittteile bzw. bei nahtlosen Strickstücken das fertige Strickteil mit langen Stecknadeln auf einem weichen Untergrund vorsichtig ( gegebenenfalls entsprechend der Schnittvorgaben) in Form. Besonders zaghaft sollte man bei Strickteilen in kraus rechts oder Rippenmuster, sein, die auch nach dem Blocken noch elastisch sein und „negative ease“ haben sollen.* Hier das Gestrick auf keinen Fall unter Spannung setzen, sondern einfach in zusammengezogener Form feststecken. Ich nutze für das Blocken Styroporplatten aus dem Baumarkt, was besonders gut funktioniert, weil die Nadeln gut halten und die Wolle auf dem Kunststoffuntergrund auch schneller trocknet, zur Not geht aber auch ein dickes Handtuch.

Dann besprüht man das Gestrick mit Wasser (ich nehme dazu immer eine alte, gereinigte und mit Wasser gefüllte Deoflasche) bis es schön feucht ist und lässt die Strickstücke anschließend gut trocknen. Das in einigen Anleitungen empfohlene „Dämpfen“ mache ich fast nie, weil die Wolle dadurch ihre Elastizität komplett verliert, aber manchmal will man genau das (z.B. wenn ein im Rippenmuster gestrickter Pulli seinen „negative ease“ verlieren soll, oder z.B. wenn sich Ränder einrollen). In diesem Fall, keine Styroporplatte sondern ein Bügelbrett oder ein Handtuch als Unterlage benutzen, die Strickteile gespannt feststecken und vorsichtig bei niedriger Temperatur in einigen Zentimetern Abstand und mit Dampf über das Gestrick gleiten und anschließend trocknen lassen.

Einen ähnlichen aber nicht ganz so starken Effekt erzielt man, wenn man das Gestrick relativ stark anfeuchtet und dann soweitTuch 3 auseinanderzieht, dass die links-rechts Rippen sich nicht wie im trockenen Zustand zusammenziehen, sondern hier im eigentlichen Sinne des Wortes gespannt werden. Das Strickstück so gespannt feststecken und trocknen.

Ein wirkliches „Spannen“, d.h. ein Auseinanderziehen und Fixieren des Gestricks benötigen auch Strickstücke mit Lochmuster. Ziel ist hier, dass sich das Muster nach dem Trocknen gerade nicht wieder zusammenzieht. Dafür sollte das Gestrick mit Hilfe der Nadeln so weit unter Spannnung gesetzt werden, dass sich die Löcher öffnen und das Muster voll zur Geltung kommt. Man kann das Gestrick entweder vorher anfeuchten oder nach dem Feststecken gut einsprühen.

Ganz professionelle Konfektionistinnen „blocken“ auch ihre Maschenprobe vor dem Auszählen….

Viel Spaß beim Fertigstellen!

*ich habe keine gute Übersetzung gefunden, aber negative ease bezeichnet Strickstücke die sich im Normalzustand aufgrund eines elastischen Musters zusammenziehen und so einen geringeren Umfang haben, als das entsprechende Körperteil. Beim Tragen werden sie somit leicht gedehnt. Positive ease ist dementsprechend der Spielraum der zwischen den Körpermaßen und den Maßen des fertiggestellten Kleidungsstücks berechnet wird.

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