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Archive for November 2012

Rohwolle in Freilandhaltung auf Sizilien

Zu meiner Reisevorbereitung für eine Sizilienrundreise gehörte auch ein obligatorischer Blick auf knitmap. Leider war da nicht besonders viel zu holen. Obwohl es eine große Anzahl an italienischen Wollherstellern gibt, schien laut meiner Netzrecherche in Sizilien die Woll- und Strickszene nicht gerade zu den Highlights dieser Insel zu gehören. Ist bei dem Klima nachvollziehbar.  Auch der Gedanke meine mitgebrachte lace-Wolle bei den im September immer noch herrschenden fast 40 Grad mit schwitzigen Fingern zu verstricken, fand ich wenig attraktiv. Die beiden Knäule habe ich unangebrochen wieder mit nach Hause gebracht. Dazu hat sich allerdings fast ein Kilo neue Wolle gesellt – denn zufällig bin ich bei meinen Streifzüge durch einige der Städte Siziliens doch auf den einen oder anderen Wollladen gestoßen. Angeboten wurden meistens italienische Hersteller und durchweg ziemlich günstig.

Kermit meets Miss Piggy (blushed)

Der erste Wollladen, den ich nach einer Woche auf Sizilien in Palermo erblickte, verkauft vor allem Stoffe und Kurzwaren, hat aber auch ein kleines Sortiment an Wolle (Via Sammartino Nr. 4). Da die Temperaturen just an diesem Tag von fast 40 Grad auf angenehme 30 Grad gefallen waren, konnte ich überhaupt den Gedanken von Garn in den Händen ertragen. Zudem kam ich frisch vom Zahnarzt, dem ich mit Englisch, einem Reise-Sprachführer und Brocken von Italienisch klar gemacht hatte, dass ich meine rausgefallene Kunststoff-Füllung lieber nur provisorisch statt mit Amalgan gefüllt haben wollte. So habe ich mich für diesen Erfolg und das Abenteuer des Zahnarztbesuchs insgesamt mit einigen Knäulen feinster Merinowolle belohnt. Hätte ich gewusst, dass ich zwei Tage später auf eine ganze Wollladengasse stoßen würde, hätte ich mich vielleicht etwas zurückgehalten, aber bereut habe ich diese Kauf nicht.

In der Altstadt von Palermo gibt es zum Teil noch eine altmodische Händlerstruktur, bei der sich Geschäfte mit einem bestimmten Angebot auf einer Stelle konzentrieren: In einem Straßenabschnitt sind nur Läden die die typischen sizilanischen Kappen anbieten, hinter der nächsten Ecke sind lauter Papierwarenläden und dann eben ein paar Meter weiter ein Wollladen nach dem nächsten. Da ich schon im ersten Laden nicht widerstehen konnte und mein Reisegepäck mit weiterer Wolle erweitert habe, bin ich in die anderen Läden gar nicht mehr hiniengegangen. Sie schienen mir aber alle von recht ähnlicher Struktur zu sein, wie der in dem ich dann zum zweiten Mal fündig geworden bin (Piazza Sant‘ Anna 6): Vollgestopft mit eine Masse an günstiger Wolle ausschließlich italienischer Hersteller. Die Wolle war nicht besonders schön präsentiert – der Laden wirkte eher wie ein Warenlager. Von Stricken als stylische Modeerscheinung hatte man dort sicher noch nie was gehört und es auch nicht für nötig befunden die Ware irgendwie verkaufsfördernd auf den Auslageflächen zu drapieren. Stattdessen war je ein Knäuel jeder Wolle und jeder Farbe offen, meist in Pappkartons zugänglich. Der Rest der Wolle war noch in den Plastiktüten vom Transport nach Herstellern und Garnsorten sortiert aber nicht sehr Appetit anregend in die Regale gestopft. Die Auswahl war ziemlich groß und die Preise so, dass ich am nächsten Tag fast noch einmal wieder gekommen bin.

Bikinis, Schlafanzüge und Wollknäule – bewacht von Snoopy

Auf den nächsten Laden bin ich gestoßen, als wir in Cèfalu auf dem Rückweg zum Parkhaus waren (Piazza Bellipanni 21). Dort in einer kleinen Ladenstraße in einer Art Wohnblock habe ich mit versiertem Blick einen Laden erspäht, der neben Badenmoden und Nachthemden auch ein ganzes Wandregal mit Wolle anbot. Bewacht wurde der Laden von Snoopy einem knurrenden Schoßhund. Seine reizende Besitzerin hat nicht nur den zähnefletschenden Snoopy auf seinen Hocker hinter die Ladentheke verbannt, sondern  mir mit Händen und Füßen geduldig alle Knäuel angereicht und Maschenproben gezeigt.

Mondial Farfalla

Im Sortiment waren vor allem Effektgarne und sehr dicke Wollen. Ich hatte ein schlechtes Gewissen nach dem aufopferungsvollen Einsatz der Verkäuferin einfach so wieder aus dem Laden zu gehen. Aber erstens war ich mich beim Gedanken an den Rückflug besorgt, dass die viele Wolle meinen Koffer sprengen würde und außerdem hatte ich nur noch 2 Euro in der Tasche. Für diese habe ich dann aus der Sonderangebotskiste noch ein Effektgarn ergattert. Mit Händen, Stricknadeln und englisch-italienischem Sprachmischmasch hat mir Snoopys Frauchen  gezeigt, wie man die Wolle verstrickt, wobei ich durch die ganzen Rüschvolants hindurch im Kopf auch noch ihre englische Strickweise (Faden rechts) in meine kontinentale (Faden links) übersetzen musste. Mal sehen, was aus dem Knäuel wird…

Wollbarone

Das letzte Geschäft habe ich dann in Catania auf der Via Umberto I Nr. 177 entdeckt. Dieser glich am ehesten meiner Vorstellung von einem richtigen Strickladen. Der Großteil der Knäule waren gut sichtbar und ordentlich in Wandregale mit Glasschiebetüren oder in Schubladen (der oberste Schubladeninhalt wiederum durch die gläserne Deckplatte sichtbar) sortiert. Außerdem verkaufte der Laden auch Strickzubehör und Strickmagazine. Die Preise waren etwas höher, aber immer noch verführerisch niedrig. Da ich allerdings noch 1) den ganzen Tag durch die Stadt laufen wollte, 2) sich meine Reisekasse in den vergangenen drei Wochen schon beträchtlich erleichtert hatte und  dagegen 3) sich zu meiner Wolle als Mitbringsel für mich selbst auch noch eine Tüte Kekse, eine Tüte Nudeln, ein Pesto und eine blankgeputzer Riesenkiesel vom Strand gesellt hatte (und ich 4) sowieso mehr Wolle bei mir zu Hause bunkere, als ich in den nächsten 5 Jahren verstricken kann – aber der Grund zählt eigentlich nicht), habe ich dann vernünftiger Weise aber schweren Herzens von weitere Wollkäufen abgesehen.

Trotzdem bin ich beim Auspacken meines Koffers auf ein wollmäßig beträchtliches Resultat meiner Sizilienreise gestoßen:

lauter Wolle

Wollausbeute meiner Sizilienreise

Und da in meiner Abwesenheit in Berlin der Herbst ausgebrochen ist, kann ich auch gleich damit anfangen, meinen Import zu verarbeiten.

Noch eine Nebenbeobachtung: Interessanterweise waren erstaunlich viele der Wollverkäufer Männer.  Ich vermute, dass das eher daran liegt, dass auf Sizilien Männer die Läden führen und nicht, dass dort mehr Männer als in Deutschland dem Stricken verfallen sind und ihre passione zur professione gemacht haben. Aber wer weiß, vielleicht gibt es eine heimliche Untergrundszene von alten Herren, die in den Parks und auf den Marktplätzen nicht Karten spielen oder die Welt diskutieren, sondern an noch kühleren Tagen, als ich sie erlebt habe, ihr Strickzeug hervorzaubern und einvernehmlich plaudernd Masche für Masche bilden, bis es Zeit ist, nach Hause zu gehen, weil das Abendessen auf dem Tisch steht.

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Pretty in pink

Und hier ist mal wieder ein kostenloses Strickmuster, diesmal eine mehrfarbige Kindermütze English version of the colourful children’s cap

Mütze mit fair isle Streifen

das kostenlose Strickmuster für diese Kindermütze könnt ihr oben downloaden

Maschenprobe: 28 M x 32 R = 10 cm,
 Nadeln: Rundstricknadel in der Stärke 2,5 mm und 3,5mm, Nadelspiel der Stärke 3,5 mm
 Garn: Catania von Schachenmayr (100 % Baumwolle 50g/125 m) in pink, gelb und weiß

Meine fliederfarbene Mütze im Frühjahr hat mich so für das mehrfarbige Stricken begeistert, dass ich gleich wie im Rausch drei Kindermützen nach dem selben Grundmuster mit verschiedenen fair-isle Streifen gestrickt habe. Obwohl sie aus reiner Baumwolle sind (nicht gerade bekannt für ein gnädiges Maschenbild, in dem kleine Unregelmäßigkeiten beim Stricken durch die Elastizität des Fadens diskret verschwinden), ist das Muster schön gleichmäßig geworden, insbesondere nach dem Blocken. Die Mützen sehen durch die Streifen sehr bunt aus. Der Anteil der Reihen, die mehrfarbig gestrickt werden, hält sich aber in Grenzen. Die Mützen stricken sich daher sehr schnell, da ziemlich einige Reihen im Muster selbst sowie die Grundfarbe immer nur in einer Farbe gestrickt werden.

Nun bin ich endlich dazu gekommen, die erste Anleitung aufzuschreiben. Die Mützen sind alle  von unten mit 100 Maschen gestrickt, eignen sich aber für  jede Maschenanzahl, die durch die Anzahl der Maschen des jeweiligen Musters in der Strickschrift teilbar ist. Oben werden dann an 5 Stellen jeweils 2 Maschen abgenommen (in der Anleitung jeweils 2 Maschen verschränkt zusammengestrickt und 2 Maschen zusammengestrickt dadurch laufen 2 Maschen nebeneinander gerade hoch, man kann aber auch eine doppelt überzogene Abnahme machen (1 M wie zum rechts Stricken abheben, 2 M zus. stricken, die abgeh. M über die zusammengestricken Maschen heben), dann läuft nur eine Masche hoch).

Jetzt, wo der Winter mit aller Macht zu kommen scheint, ist es vielleicht angebrachter die Mütze in Wolle zu stricken,…um so besser (weil gleichmäßiger).

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