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Archive for Oktober 2011

Als Ergänzung zur Liste mit englischen Strickbegriffen jetzt noch ein paar Hinweise zum Aufbau von englischen Strickanleitungen:

Englische Strickanleitungen sind etwas anders aufgebaut als deutsche.

Der wesentlichste Unterschied zwischen dem englischen und deutschen Strickbegriffen ist, dass im deutschen die Grundmaschenarten als rechts und links bezeichnet werden  (abgeleitet davon, wie sie gestrickt auf der der Strickerin zugewandten Seite erscheinen. Dabei orientiert sich die Bezeichnung rechts und links an der Bezeichnung für die rechte (also nach außen sichtbaren)  und linke (also meist innenliegenden) Seite von Kleidungsstücken. Rechts heißen eben solche Maschen, die in der am häufigsten vorkommenden „glatt rechts“ gestrickten Muster außen liegen.

Im Englischen dagegen gibt es zwei unterschiedliche Bezeichnungen für die verschiedene Vorgänge Maschen zu produzieren:

To knit heißt „stricken“ im Allgemeinen also „I knitted a scarf“, auch wenn dieser 2 rechts 2 links gestrickt wurde, aber in der Strickterminologie heißt to knit (Strickschrift: (k)) genauer „rechte Maschen stricken“. „Linke Maschen stricken“ heißt: to purl (p).

Die Seiten des Strickstücks werden auch nicht mit rechts oder links bezeichnet, sondern als richtige und falsch Seite „right side“ (RS) und „wrong side“ (WS). Diese Bezeichungen werden oft auch im Muster angegeben. RS ist immer die Seite, die beim fertigen Strickstück außen liegt, WS die innenliegende. Von der Tendenz her werden in englischen Anleitungen tatsächlich die einzelnen Reihen beschrieben also : Row (=Reihe) 4 to 48: in stockinette stitch (=glatt rechts) also RS: knit , WS: purl und nicht „5 cm rechts stricken oder rechts stricken bis das Strickstück 38 cm lang ist“.(Allerdings ist das nur eine Tendenz, natürlich findet man ähnliche Angaben mitunter auch in englischen Mustern, das heißt dann „work even until piece measures 38 cm“ eher aber „Work even for 48 rows“).

Außerdem arbeiten englische Anleitungen viel stärker mit Maschenmarkieren. Das ist oft sehr effizient für die Darstellung und kein Problem, wenn man es einfach „blind“ befolgt. Manchmal finde ich es allerdings für das vorherige Vorstellen, wie der Strickvorgang aussieht, etwas schwierig.  Um einen Daumenkeil in einer Stulpe einzustricken, würde in einer englischen Anleitung vermutlich in einer Reihe angegeben werden, wo die Maschenmarker platziert werden. In der nächsten Reihe wird dann nur noch angegeben z. B.

R38: knit to marker,  m1, k 1, m1, slip marker, k to end of round (m1 = make 1 = eine Masche zunehmen)
R 39: k
R 40: knit to marker, (m1), k 3, m1, slip marker, k to end of round
R 41 k
R 42: knit to marker, (m1), k 5, m1, slip marker, k to end of round  (…)

Dass es sich dabei um den Daumenkeil handelt, ist nicht unmittelbar erkennbar.

Im Deutschen würde da vielleicht stehen

„Ab hier beginnen den Daumenkeil einzustricken dazu  zunächst eine Masche zunehmen und dann in jeder 2. Reihe jeweils am Rand des Keils je eine Masche zunehmen bis der Keil 5 cm lang ist“

Insgesamt liefern englische Strickmuster eher eine genau befolgbare Handlungsanweisung Schritt für Schritt, die sich vor allem auf das bezieht, was die Strickerin nach einander zu tun hat, während deutsche Muster sich eher auf den den Konstruktionsprozess des Strickstücks beziehen und angeben, wo im Strickstück man was produzieren/bewirken muss. Englisch Strickmuster sind somit eigentlich einfacher zu folgen, wenn alles ganz genau hinkommt und man sie tatsächlich einfach nur ohne nachzudenken nachstrickt. Deutsche Strickmuster erfodern manchmal etwas mehr „Vorwissen“ und Mitdenken, sind dafür aber leichter abzuwandeln und anzupassen.

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In meinem letzten Post habe ich die Englische Strickwelt angepriesen. Für alle, die sich diese erschließen wollen, denen es aber an dem nötigen Vokabular fehlt, hier eine Liste mit Übersetzungen von Begriffen zum Stricken auf Englisch sowie gebräuchlichen Abkürzungen in der englischen Strickschrift. Ich habe sie mal angelegt, als ich angefangen habe auch englischsprachige Anleitungen in meine Handlungsoptionen einzubeziehen und – lernpsychologisch nicht verwunderlich – eigentlich nie gebraucht, da bei all der Motivation, emotionalen Besetzung und Handlungsverknüpfung die Worte wie von selbst in meinen aktiven Wortschatz eingegangen sind. In vieler Hinsicht sind die  englischen Begriffe sogar effizienter und kürzer als die deutschen. Hier für Euch zum download: Vokabelliste

armhole = Armauschnitt

bind off (BO) =abketten

block = ich weiß gar nicht wie das auf Deutsch heißt: fertiges Strickstück in Form bringen fixieren und mit Wasser besprühen/dämpfen (dazu hier einen post)

bust = Brustumfang

cable = Zopf

cable needle = Zopfnadel

cast on (CO) = anschlagen

chart = Strickschrift

circular needle = Rundstricknadel

collar = Kragen

contrasting Colour (CC) = bei eingestrickten Mustern, die Musterfarbe

cross = kreuzen

decrease (dec) = abnehmen

double pointed needle (dpn) = Nadel mit zwei spitzen Enden (z.B. vom Nadelspiel)

drop one stitch = eine Masche fallen lassen

fair isle = mehrfarbige eingestrickte Muster, siehe Foto

flat knitting = Stricken in Reihen

garter stitch=kraus rechts

gauge = Maschenprobe

hem = Saum

increase (inc) = zunehmen

knit (k) = rechts stricken

knit 2 togehter (k2tog) = 2 Maschen rechts zusammen stricken

knit 1 through back of loop (k1-tbl) = rechts verschränkt stricken

knit on = Maschen aufstricken

knitting in the round = in Runden stricken

knitwise = wie zum rechts stricken/von vorne nach hinten in die Masche stechen (z.B. slip one knitwise= 1 Masche wie zum rechts stricken abheben)

lace = Spitze/Lochmuster

longtail cast on = der in Deutschland gebräuchlichste Anschlag, bei dem man ein Teil der Wolle abwickelt und zum Anschlagen benutzt

main colour (MC) = bei mehrfarbigen eingestrickten Mustern die Grundfarbe

make 1 (m1) = 1 Masche zunehmen

pass slipped stitch over (psso) = abgehobene Masche überziehen /Überzug

pattern = Muster

place marker (PM ) = Maschenmarkierer platzieren

pick up = aufnehmen

purl (p) = links stricken

purl 2 tog (p2tog) = 2 Maschen links zusammen stricken

purlwise = wie zum links stricken/von hinten nach vorne in die Masche stechen (z.B. slip one purlwise = wie zum links stricken abheben)

reverse stockinette stitch= glatt links

rib = im Rippenmuster stricken

right side (RS) = rechte Seite

round= Runde

row=Reihe

seaming = zusammennähen

short row = verkürzte Reihe

skein=Knäuel

sleeve=Ärmel

slip (s) = abheben

slip 1 knit 1 pass slip stitch over  k 1 (SKP) = ein Masche abheben, eine rechts stricken und die abgehobene Masche überziehen

slip 1 knit 2 together, pass slip stitch over the knit 2 together (SK2P)= eine M abheben, 2 Maschen rechts zusammenstricken, die abgehobene Maschen über die 2 zusammengestrickten Maschen überziehen

slip marker (SM) = Maschenmarker auf die andere Nadel heben

slip slip knit (ssk) = wörtlich abheben, abheben, rechts stricken = 2 Maschen rechtsverschränkt zusammenstricken, indem man erst zwei Maschen wie zum rechts stricken abhebt und sie dann auf die linke Nadel zurückhebt, und verschränkt rechts abstrickt (die rechte Nadel kann man dazu gleich in beiden Maschen lassen)

slip slip purl (ssp) = wörtlich: abheben, abheben, links stricken =2 Maschen links verschränkt zusammenstricken, indem man 2 Maschen wie zum rechts stricken abhebt, sie in dieser Ausrichtung auf die linke Nadel zurückhebt und verschränkt links abstrickt

slip with yarn in front (syf) = mit Faden vorne abheben

stitch = Masche

stockinette stitch = glatt rechts

unravel = aufribbeln

through back of loop = wörtlich: durch die hintere Seite der Schlaufe = verschränkt abstricken

weave in ends = Fäden vernähen

With yarn in back (Wyib) =wörtlich: mit dem Faden hinten

With yarn in front (Wyif)= Wörtlich: mit dem Faden vorne

Wrong side (WS) = linke Seite

Yarn over (YO) = Umschlag

Yarn = Faden, Garn

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Bei dieser Anleitung für  federleichte Stulpen handelt es sich um die erste, die ich jemals verschriftlicht habe, was mich damals mit unbändigem Stolz auf mein Werk erfüllt hat.
Nur wegen  fehlender Fotos habe ich sie bisher noch nicht online gestellt. Aber da ich das jetzt nachgeholt habe, hier die Anleitung, kostenlos wie immer. Es handelt sich um eine Stulpe mit einem Zopf, dessen Stränge jeweils über einem der Finger enden. Sie werden genau am Handgelenk mehrfach verkreuzt, so dass die Stulpe an dieser Stelle – passend zur Anatomie – etwas enger ist. Federleicht sind die Stulpen, da die Wolle eine lange Lauflänge hat und der Faden so „fluffig“ ist, dass die Stulpen zusammen gerade mal 37 g wiegen. Ein Knäuel reicht also locker.

Maschenprobe: 18 M x 30 R = 10 cm,

Nadeln: Nadelspiel der Stärke 4,5 mm, 2 Hilfsnadeln

Garn: 1 Knäuel ggh Bel Air, Farbe 012, 90 % Merino, 10% Polyamid, 50g/130m

Schwierigkeitsgrad: + + + 0 0

Anlässlich der Veröffentlich meiner ersten Anleitung habe ich noch mal meine „Strickentwicklung“ rückblickend betrachtet: Stricken gelernt habe ich als Kind und jahrelang  Stricksachen selbst „entworfen“, ohne zu wissen, dass ich das tue. Meine Mutter hatte mir alle notwendigen Stricktechniken gezeigt und jedes Mal, wenn ich mit einem neuen Wunsch wie „ich will Handschuhe stricken“ oder „ich will mir einen Pullover stricken“, hat sie mir so nebenbei und ohne viel Aufwand um Design und Entwurf, grundlegende Konstruktionsprinzipien verschiedener Kleidungsstücke vermittelt. Ich habe also Handschuhe, Schals, Pulswärmer, Mützen und Pullis gestrickt. Immer nach eigenem „Entwurf“ immer nur glatt und kraus rechts oder Rippen, wenn mehrfarbig dann nur Streifen. Verschiedene geerbte Strickhefte aus den 70ern habe ich immer nur angeguckt, ohne irgendwie darauf zu kommen, tatsächlich mal eine der Sachen nachzustricken, zumal die Muster dieser deutschen Strickhefte immer ein wenig altbacken und nicht wirklich erstrebenswert für den eigenen Kleiderschrank waren. Stricken war für mich aufzueichnen, wie das Kleidungsstück aussehen soll, und dann anhand der (verhassten) Maschenprobe ausrechnen, wie die einzelnen dafür notwendigen  Teile herzustellen sind.  Irgendwann Jahre später habe ich dann mal einfach so angefangen auch Zopfmuster und Lochmuster auszuprobieren. Es war nicht so, dass ich mich an diese vorher nicht rangetraut habe,…vielmehr bin ich gar nicht auf die Idee gekommen, das mal auszuprobieren, Stricken war ja schließlich glatt rechts und Rippen für Schals und Bündchen.

Schlagartig gewandelt hat sich mein Strickverhalten und mein Zugang zum Stricken , als ich mich vor einigen Jahren zum einen durch Gespräche mit Choco Canel  in einen Experimentier- und Schaffesrausch geredet und als Konsequenz unserer Gespräche, mir erstmal die Welt der englischsprachigen Strickpublikationen sowie der Blogs und Strickcommunities erschlossen habe. Und dieser Schritt hat mein Stricken wirklich fundamental verändert. Nicht nur habe ich angefangen, in kurzer Zeit die verschiedensten neuen Techniken (fair Isle, lace) auszuprobieren und mich theoretisch mit Entwurf, Konstruktionsprinzipien (top down Pullis, angestrickte Ärmel) zu beschäftigen und Lösungen für Probleme zu suchen, die ich vormals fatalistisch als „so ist das halt beim Stricken“ hingenommen hatte (die Verschiedenheit von Abhnahmen bei der linken und rechten Raglannaht, das Abketten von Bündchen etc.). Auch ist die Strickmode der englischen und amerikansichen Crafts-Bewegung nach meiner Einschätzung viel geschmackvoller, modischer, tragbarer als die deutsche, erstmals habe ich tatsächlich Pullover streng nach Anleitung einfach so nachgestrickt. Vor allem Chocos Hinweis auf die Strickcommunity RAVELRY hat mein Strickleben in dieser Hinsicht verändert. Bei den ersten Besuchen, kam ich mir vor wie ein Kind im Spielwarenlade und habe panisch Anleitungen runtergeladen aus der irrationalen Angst, ich könne aus diesem Traum aufwachen und die Fülle des Angebots wie eine Seifenblase zerplatzen.  Ich kann nur jeder/m empfehlen, sich mit dem Aneignen einiger englischer Strickpbegriffe (denn mehr ist eigentlich nicht notwendig, um die englische Strickliteratur zu benutzen) eine ganz neue Welt des Strickens und des über das Stricken zu reden und nachzudenken zu eröffnen. Aber auch ohne Englisch kann man ausgetretene Pfade verlassen und statt der ewigen 2 rechts-2 links Schals einfach mal einen aufwändigen Spitzenschal in Angriff nehmen. (eine Fülle kostenloser deutscher Anleitungen gibt es z.B. hier, bei ravelry gibt es vor allem englische Anleitungen, aber auch in anderen Sprachen, man kann gezielt nur nach deutschen Anleitungen suchen). Der letzte Schritt in meiner Entwicklung war dann tatsächlich das Dokumentieren meiner Strickarbeit und die Verschriftlichung meiner Entwürfe, so dass sie reproduzierbar wurden. Ein aufwändiger aber doch noch einmal anders befriedigender Schaffensakt. Ich bin gespannt, was als nächstes kommt.

Und wenn ich schon die englische Strickwelt lobe: hier die Anleitung auf Englisch: cable stitch mittens – light and easy

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